Bereitgestellt von


und erstellt von blauhirn
Simplex – Gamigo Champions of Regnum Forum Archiv – cor-forum.de

Profil von »Simplex«

profile picture

Alle Beiträge von Simplex

Link zum Thema
Er saß in Gedanken versunken auf der Zinne des Trelleborg Forts. Die kühle Herbstluft tat ihm wohl, er genoss den würzigen Duft der Tannen. So war er nun also hier gelandet, in der Kriegszone, auf diesem Außenposten des alsischen Reiches. Wo er früher als Syrte angegriffen hatte, galt es nun das Fort gegen syrtische Eindringlinge zu verteidigen; war er früher Verteidiger des Algaros Forts gegen alsische Eindringlinge gewesen, griff er genau dieses Fort nun selbst als Alse an. Ein harter Schlag traf ihn plötzlich so stark auf die Schulter, dass er fast über die Zinne hinabgefallen wäre, dazu erklang ein bärbeißiges Lachen: "Hahaha Sharp! Wenn ich dich nicht schon oft im Kampf gegen die Grünen gesehen hätte, würde ich fast glauben, dass du einer von ihnen bist! Da! Trink! Bevor du noch ganz einschläfst - da draußen braut sich nämlich was zusammen." Der Zwerg streckte ihm einen Schlauch mit Wasser hin. Er nahm einen kräftigen Schluck: "Danke Grom. Nichts für ungut." "Schon recht. Aber halt deine Augen offen, ich spür's in allen Knochen, die Grünen wollen's heute mal wieder wissen. Doch die Suppe werden wir ihnen tüchtig versalzen, was Sharp?" "Logisch! Nicht mit uns!" Grom, Ritter und narbenbedeckter Anführer, ging wieder nach unten, um die Reihen der Verteidiger auf den bevorstehenden Kampf einzustimmen. "Wenn man solche Kameraden zur Seite hat, kann eigentlich nichts schiefgehen", dachte er, während er ihm nachblickte - und verfiel dann doch wieder in Nachdenken. Eigentlich hatte sich so viel gar nicht verändert, seit er von Syrtis ins Alsenreich gewechselt war. Gut, er war jetzt Schütze, kein Jäger mehr, was sich darin bemerkbar machte, dass seine Pfeile jetzt einen durchschlagenden Schaden verursachten, von dem er als Jäger früher nur hätte träumen könnnen. Und sie reichten weit. Prüfend wog er den schweren Langbogen in der Hand. "Andererseits kann man sich als Jäger freier bewegen", dachte er, "und man rennt nicht blind durch die Gegend sondern weiß, wo man hingehen muss". Während er so vor sich hingrübelte, spürte er an seinem Ohr ein leichtes Kribbeln, wie von einem Insekt, das er mit einer automatischen Handbewegung verscheuchte. Dann war es wieder da und wieder wedelte er mit der Hand durch die Luft. Doch das vermeintliche Insekt war hartnäckig. Immer wenn er in seine Gedankenwelt zurückzusinken drohte, störte ihn das Kribbeln am Ohr, so dass er schließlich wütend aufsprang und sich das Ohr rieb. Da hörte er hinter sich ein leises Kichern. Whiskey! "Das ist NICHT witzig!" sagte er unwirsch und drehte sich um, doch sein Zorn war sofort verraucht, als er die kleine Jägerin mit dem Grashalm in der Hand vor sich stehen sah. Sie schaute ihn mit einem seltsamen Ausdruck in den Augen an, als ob sie auf etwas warte. "Was ist?", fragte er. Sie antwortete nicht und lächelte nur, dann kam sie noch einen Schritt auf ihn zu, so dass sie jetzt ganz dicht vor ihm stand. "Das ist", sagte sie schließlich - und küsste ihn plötzlich auf den Mund. "Shane! --" Im ersten Moment war er völlig perplex, denn das hatte er ganz und gar nicht erwartet. Dann fühlte er, wie ihm das Blut in den Kopf stieg und ihm heiß wurde, und er sah, wie ihr Lächeln in ein breites Grinsen überging, während sie seine roten Backen und roten Ohren betrachtete. "Sharp! Whiskey! Achtung da oben!" Da schlug auch schon ein Pfeil krachend im Mauerwerk neben ihnen ein. "Was ist denn los! Deckung nehmen! Ziel suchen! Schussfertig machen! - Herrgott! Ihr seid doch keine Anfänger mehr denen man alles vorsagen muss!" Der Angriff der Syrten hatte begonnen - und es waren nicht wenige, die das Fort erstürmen wollten. In fiebernder Hast nahmen sie die Kampfpostitionen ein, tausendmal geübte und automatisierte Handgriffe wurden ausgeführt. Der erste Pfeil schwirrte von der Sehne - und gleichzeitig der von Whiskey an seiner Seite. Zum Nachdenken blieb keine Zeit, jetzt war die Zeit des Handelns, jetzt galt es. Seite an Seite standen sie auf der Zinne des Trelleborg Forts und schickten Pfeil um Pfeil auf die Angreifer in die Tiefe nach unten. "Au! Mein Arm!" Ihr Bogen war auf die Erde gefallen. Sofort war er bei ihr. "Schlimm?" "Nur wenn ich lache!" antwortete sie. Mit der linken Hand rieb sie über den rechten Arm, ihr Umhang war zur Seite gerutscht - und er sah eine Brosche, die ihm seltsam bekannt vorkam. Ihre Augen blitzten, als sie den Bogen wieder aufnahm und das nächste Ziel anvisierte. Und da wusste er es plötzlich. Sie war es! Sie war der Grund warum er hierhergekommen war! Genau hier wollte er sein, neben ihr, nirgendwo anders. Ihretwegen war er hier! Und während die Schlacht um Trelleborg Fort ihren Fortgang nahm, während die Syrten tapfer Angriffswelle um Angriffswelle gegen das Tor des Forts anrollen ließen, und Grom, der in der Tiefe mit Donnerstimme die Verteidiger anführte, die Angreifer ein- ums andere Mal zurückwarf, fühlte er, dass er nun angekommen war, dass seine Suche ihr Ende gefunden hatte, hier, auf der Zinne, mit ihr und an ihrer Seite. ENDE
Link zum Thema
Ein neuer Tag brach an in Regnum. Angekündigt von einer zarten rosafarbenen Morgenröte erschien die Sonne schließlich selbst am Horizont und erhob sich langsam und majestätisch aus dem Meer. "Blut ist in der Nacht vergossen worden", hätte Legolas bei diesem Anblick gesagt. Die Bewohner des Kontinents jedoch hatten wichtigere Dinge zu tun als den Sonnenaufgang zu betrachten, denn es herrschte Krieg zwischen den Völkern. Aber war es wirklich Krieg was hier vor sich ging? Kein Bewohner dieser Welt war jemals wirklich gestorben. Eingespannt in einen unendlichen Kreislauf von Siegen und Besiegtwerden gab es scheinbar keinen endgültigen Tod. Zwar nannten sie es "sterben" wenn sie auf dem Schlachtfeld liegenblieben - in Wirklichkeit jedoch vollzog sich nach dem "Tod" lediglich eine Art Teleportation zu einem anderen Ort dieser Welt, von dem aus das Leben weiterging: ein endloser Reigen von Untergehen und Auferstehen. Diesem Kreislauf musste sich jeder anschließen, sobald er diese Welt einmal betreten hatte. Sie wollten es so haben. Sie hatten sich dieses Schicksal selbst gewählt. Deshalb waren sie hier. Sie wollten kämpfen und siegen, und je öfter sie dies tun konnten umso besser. Dies war ihr Lebensinhalt, der Zweck ihres Daseins: zu triumphieren. Möglichst stark zu werden. Möglichst oft das Gefühl des Siegens auszukosten. Dafür arbeiteten sie viele Stunden, dafür trainierten sie ihre Fertigkeiten, verfeinerten die Abfolge ihrer Hiebe und Zaubersprüche, um die äußerste Effizienz zu erreichen, rüsteten sich mit den besten verfügbaren Waffen und Amuletten aus - nur um am Schluss, wenn es zum Showdown kam, wenn es galt im Kampf zu bestehen, nur um dann besser zu sein als der andere, um stehenzubleiben wo der andere fiel, um Sieger zu sein wo der andere verlor. Das war das eigentliche Ziel auf das sie hinarbeiteten. Und wer sich diesem Ziel erkennbar nicht unterordnete, wurde als "Lappen" bezeichnet, als "Noob", als "Nichtskönner", wurde mit abfälligen Bemerkungen bedacht; umgekehrt konnte es das eigene Ego nicht hinnehmen, wenn es wiederholt mit einer Niederlage konfrontiert wurde - die Gegner waren dann wahlweise "Cheater" oder "Buguser". Oder die ganze Welt als solche wurde verantwortlich gemacht für das wiederholte eigene Scheitern: die Schöpfer dieser Welt waren Schuld, weil diese Welt offensichtlich nicht so funktionierte, wie sie es ihrer Meinung nach eigentlich tun sollte. Viele der Bewohner, die diesen Kreislauf nicht mehr aushalten konnten, verließen die Welt, um nie mehr zurückzukehren, denn sie sahen keine Hoffnung mehr. Aber waren sie wirklich alle so, die Dagebliebenen? Achtete jeder hier nur auf seinen eigenen Vorteil, sah egoistisch nur auf sein eigenes Fortkommen? - Nein. Es gab auch Zusammenhalt, Kameradschaft, Freundschaft. Es gab auch das Zurückstellen der eigenen Interessen zugunsten eines höheren Zieles. Man konnte in dieser Welt tatsächlich lernen, worauf es wirklich ankam: Gegenseitige Achtung. Respekt voreinander. Respekt vor dem Gegner. Freundschaft. Zuneigung. Liebe. Diese Grundwerte waren überall vorhanden, wo Menschen zusammenkamen, oft waren sie nur verschüttet. Aber sie würden immer wieder hervorbrechen, wie hoffnungslos es auch erscheinen mochte, die Menschen konnten schließlich nicht auf Dauer gegen ihre wahre Natur handeln. In Wahrheit waren diese Werte niemals weggewesen. So stieg denn die Sonne auf in den weiten blauen Himmel über Regnum, ein neuer Tag war angebrochen, das Leben nahm seinen Fortgang. Schlösser wurden erobert und gingen verloren, Drachen beschworen, Juwelen geraubt, Kämpfe gewonnen, Tode gestorben. Und manchmal regnete es auch.
Link zum Thema
Es gibt schon Leser die diese Story mit Interesse verfolgen, Thral. Diesen Lesern muss ich nun leider sagen, dass es keine Fortsetzung von meiner Seite mehr geben wird.
Link zum Thema
Sangri saß allein am Feuer und starrte teilnahmslos in die flackernden Flammen. Sie hatte heute den ganzen Tag gekämpft, war neunmal am Lebensaltar wieder aufgewacht und hatte sich immer sofort erneut in die Schlacht gestürzt. Jetzt, in der Dämmerung am späten Abend, war sie müde, zu müde um noch nachdenken zu können - und genau dieser Zustand war es, den sie jeden Tag aufs Neue wieder herbeiführen wollte. Mit einer Hand befühlte sie abwesend die Brosche auf ihrem Umhang und ließ den magischen Strom, der in dieser Brosche vibrierte, in ihre Fingerspitzen fließen. Gary näherte sich ihr vorsichtig. "Sangri?" Sie antwortete nicht und starrte weiter ins Feuer. Er kam einen Schritt näher. "Sangri?" Müde löste sie ihren Blick von den Flammen und schaute ihn an. "Ich soll dir das hier geben." Er reichte ihr einen kleinen zusammengefalteten und versiegelten Brief. Sie nahm ihn geistesabwesend an sich und steckte ihn in eine Tasche ihrer Montur. "Willst du denn nicht lesen was drinsteht?" "Nicht jetzt, Gary. Später vielleicht. Bin zu müde." Sie wandte sich wieder dem Feuer zu. "Schien mir aber wichtig zu sein. Von einem Boten aus Syrtis..." "Na schön. Weil du's bist les' ich's halt." Sie holte die Botschaft hervor, brach das Siegel und faltete das Papier auseinander. Lass dein Licht bitte scheinen und versteck es nicht! S. Sie faltete den Zettel wieder zusammen und steckte ihn zurück in ihre Montur. Gary beobachtete sie interessiert. "Und?" "Was?" "Na was steht drin?" "Ach irgendwas von einem Licht das ich scheinen lassen soll. Macht für mich keinen Sinn - - - " Plötzlich kam Leben in ihre Mimik. "Gary!" Sie sah ihm mehrere Sekunden lang ins Gesicht als könne sie dort die Antwort auf alle ihre Fragen finden. Mit zitternden Händen kramte sie das Papier erneut heraus, faltete es auseinander und las es nochmals Wort für Wort durch. Ja. Das konnte nur ER geschrieben haben, kein anderer! Niemandem hatte sie von ihrer ersten Begegnung in Montsognier erzählt! Aber das würde ja bedeuten, dass ... - sie sprang auf. "Gary, er lebt! Er lebt Gary! Er lebt! Er ist am Leben! Er ist in dieser Welt!" Sie nahm sein Gesicht zwischen ihre Hände und gab ihm einen Kuss auf den Mund. Dann ergriff sie ihren Speer und rannte in die Dämmerung hinaus, in Richtung zum alten Friedhof. Der junge Magier blickte ihr fassungslos nach. So hatte er seine Jagdgefährtin noch nie erlebt. Gary hatte den gestrigen Tag in Montsognier zugebracht und war dort in einer Taverne mit einem noch in Ausbildung befindlichen Bogenschützen ins Gespräch gekommen. Irgendwie hatte dieser Schütze ihn dazu gebracht, von seinen Erlebnissen mit Sangri zu erzählen. Gary war froh gewesen, endlich einen aufmerksamen Zuhörer gefunden zu haben, redete sich seine Sorgen von der Seele und hatte dabei gar nicht gemerkt, wie sein Gesprächspartner immer einsilbiger geworden war. "Ich kann ihr glaube ich helfen", hatte der Schütze schließlich zu ihm gesagt und ein paar Worte auf einen Zettel geschrieben, den er sorgfältig zusammenfaltete und mit dem Wachs der auf dem Tisch stehenden Kerze versiegelte. Gary hatte ihn ungläubig angesehen. "Wie soll das gehen?" "Bitte gib ihr diesen Brief und sag ihr, dass er von einem Boten aus Syrtis gebracht worden sei. Mehr musst du nicht tun." "Aber..." "Vertrau mir. Was kann schon geschehen? Schlimmstenfalls lacht sie dir ins Gesicht." "Sie hat schon lange nicht mehr gelacht, eigentlich noch nie seit ich sie kenne..." "Na also. Das wär doch schonmal was." Der Schütze war aufgestanden. Auch Gary hatte sich erhoben. Der Fremde packte ihn bei den Schultern. "Aber kein Wort von mir! Das musst du mir versprechen! Versprich es!" "Ist ja gut! Ich verspreche es."
Link zum Thema
So! Das war die dritte Quest, die er für heute zu Ende bringen konnte. Erschöpft setzte er sich auf einen großen Stein im Wald, um sich auszuruhen. Noch immer war er in dieser Umgebung nicht recht heimisch geworden, er vermisste das saftige Grün der syrtischen Wiesen und Wälder, die Wärme der Sonne. Die rauhen Tannen, das blendende Weiß des Schnees, die Kälte: ja, es hatte durchaus seinen Reiz; aber in der Tiefe seines Herzens sehnte er sich zurück in die Wärme seiner alten Heimat. "Auf geht's, noch ein paar Werwölfe schießen", sagte er zu sich selbst, "du bist jetzt hier Junge, also mach das Beste draus." Immer noch war es ihm nicht gelungen, Sangri zu finden; alle die er fragte sagten ihm - wenn sie sie überhaupt kannten - dass sie sich meistens draußen in der Kriegszone aufhielte. Also arbeitete er verbissen weiter, um endlich selbst dorthin gehen zu können - und um vielleicht auch mal wieder nach Syrtis reinzukommen und die alten Stätten dort zu wiederzusehen. Er hatte sagen hören, dass draußen Schützen gebraucht würden, und so hatte er sich für diesen Zweig der Ausbildung entschieden. Seite an Seite mit ihr wollte er kämpfen und sei's auch gegen seine alten Freunde - er war jetzt Alse und würde seine Pflicht hier gewissenhaft erfüllen, das war er seinen neuen Reichsgenossen einfach schuldig. Denn Kameradschaft, Miteinander und gegenseitige Rücksichtnahme hatte er auch hier schon oft erfahren dürfen. "Was ziehst du denn wieder für ein Gesicht? Nicht so faul rumhocken! Komm, lass uns einen Wettkampf machen: wer zuerst fünf Werwölfe erlegt!" Die zierliche Whiskey hatte sich ihm unsichtbar genähert. Das tat sie oft, nur um ihm dann einen ordentlichen Schrecken einjagen zu können, wenn sie sich ihm plötzlich zeigte. Lachend tanzte sie um ihn herum. Wenn sie in seiner Nähe war wurde ihm warm ums Herz. Obwohl sie so ganz anders war als Sangri, viel feingliedriger und zarter, fühlte er sich doch irgendwie durch sie an Sangri erinnert. War es ihre Art mit ihm zu sprechen? War es ihre Unbekümmertheit? "Ach du! Ich mach' aber nur mit, wenn du mir deinen Bären gibst." Sie war ihm ein gutes Stück in der Ausbildung voraus, hatte den Jägerzweig gewählt, und er sah, dass sie ihre Sache sehr gut machte. Könnte er sich doch nur auch wieder ein eigenes Tier zähmen! Seltsamerweise hatte er ihr die Frage nach Sangri noch nie gestellt. "Kennst du eigentlich Sangri?", fragte er sie plötzlich. "Sangri? Wie kommst du jetzt auf die?" Sie lächelte verschmitzt. "Bin ich dir nicht stark genug? Ich gewinn' gegen dich ja sogar wenn ich mir einen Arm auf den Rücken binde! Da, den Bären kannst du auch ruhig haben." "Das werden wir ja sehen!" Unvermittelt sprang er auf, packte ihren Arm und drehte ihr ihn auf den Rücken, dass sein Gesicht ganz nah vor dem ihren war. "Und was jetzt, Meisterin Oberschlau?" Sie versuchte sich zu befreien, aber sein Griff war fest. "Hahaha! - Aber große Sprüche schwingen!" Er ließ sie los. Mit geröteten Wangen blieb sie vor ihm stehen und drehte den Kopf leicht verlegen zur Seite. Diese Geste gab ihm einen Stich ins Herz. "Weißt du wo sie ist?" Ihre Miene verdüsterte sich; sie wandte sich von ihm ab. "Ach lass mich doch in Ruhe! Sie ist draußen, sie kämpft und sie leidet." "Was? Du weißt wo sie ist, du kennst sie? Sie leidet? Warum denn um Gottes Willen! - Whiskey, bleib doch hier!" "Muss gehen, andermal vielleicht wieder..." "Whiskey!" Sie rannte vor ihm davon. Als sie sah, dass er versuchte ihr zu folgen, verschmolz sie wieder mit der Umgebung, so dass sie für ihn unsichtbar wurde. Kopfschüttelnd blieb er zurück. "Whiskey" murmelte er vor sich hin. Mit einem Mal spürte er wieder die Kälte des alsischen Klimas. Er wurde nicht schlau aus der kleinen Jägerin, aber seit sie ihn soeben verlassen hatte, merkte er, dass ihm etwas fehlte...
Link zum Thema
Zunächst war er panisch davongelaufen, nachdem er sie mit einem Ablenkpfeil betäubt und sich dann mit der Tarnung unsichtbar gemacht hatte. Nicht schon wieder! Nur keine neuen Sentimentalitäten! Darüber war er doch gerade erst mühsam hinweggekommen! Aber sein Ehrgefühl zwang ihn, zu ihr zurückzukehren. Schließlich hatte sie ihm gerade das Leben gerettet; er konnte sie jetzt nicht einfach allein in dieser feindlichen Umgebung zurücklassen. So fand er sie zusammengekauert in diesem riesigen Drachenschädel am Boden liegend, manchmal schluchzte sie, aber sie schlief jetzt. Wie tapfer sie gewesen war! Wie stark! Minutenlang vermochte er nichts anderes zu tun als sie einfach nur anzuschauen. Wie schön sie war! Sie erschien ihm jetzt so unendlich zart, so verletzlich, so überaus schutzbedürftig. Die Spuren der Tränen, die über ihre Wangen gerollt waren, und die noch schwach zu sehen waren, wollten ihm schier das Herz zerreißen. Vorsichtig kniete er neben ihr nieder und strich ihr sanft eine heruntergefallene Strähne des roten Haares aus der Stirn. Diese neuerliche unerwartete Begegnung hatte all seine vorangegangenen Bemühungen, sie zu vergessen, zunichte gemacht. Schlimmer noch: er fühlte sich mehr denn je zu ihr hingezogen, war kaum in der Lage, den Blick von ihr abzuwenden. Er konnte nicht anders, er musste sich zu ihr hinabbeugen und diese Tränen küssen. Eine größere Gruppe von Reitern war in der Ferne zu hören. Und plötzlich wusste er genau, was er jetzt zu tun hatte. Er nahm die kunstvoll verabeitete Brosche, das Wertvollste was er in dieser Welt besaß und die in Wirklichkeit machtvolle magische Kräfte in sich barg, von seinem Mantel ab, legte sie vorsichtig in ihre Hand und schloss behutsam ihre Finger darum. Einmal hatte sie ihn an dieser Brosche erkannt; mochte sie ihr jetzt als Talisman dienen - er würde die Brosche nicht mehr brauchen. Rasch stand er auf. Aller Zweifel war von ihm gewichen, alles Zögern, alle Unsicherheit. Er vergewisserte sich, dass die herannahende Kavalkade eine Gruppe alsischer Kämpfer war, trat dann aus dem Schutz des Drachenschädels heraus, so dass sie auf ihn aufmerksam werden mussten, legte einen Pfeil auf und griff den ersten der Reiter an. Es sollte sein letzter Kampf für sein geliebtes Syrtis sein; aber er würde keinen dieser alsischen Krieger dabei töten... Zurück in Syrtis nahm er Abschied von seinen engsten Freunden, verschenkte alles, was er an Rüstung, Waffen, Pfeilen und sonstigen Ausrüstungsgegenständen im Laufe seines Lebens erworben hatte und begab sich dann, befreit von allem Ballast, zurück auf die Initiationsinsel, dorthin, wo alles angefangen hatte, zu dem Punkt, wo er das Syrtenreich zum allererstenmal betreten hatte. Hier sollte sich der Kreis schließen, hier war der Anfang und das Ende, der Beginn und der Schluss der Geschichte dieses Charakters. Ein letztes Mal ließ er den Blick in die Runde schweifen, sah das saftige Gras, die herrlichen Laubbäume, die geschwungenen Bögen der syrtischen Achitektur, den weißen Marmorstein, die wunderbare Weite des Himmels - dann war er soweit. Er leitete die letzte, die unumkehrbare Prozedur ein, nach deren Vollendung eine Rückkehr hierher nicht mehr möglich sein würde. Doch während die Welt um ihn herum nach und nach verblasste, blieb das Bild seiner Liebsten unverändert klar in seinem Geist bestehen: Sangri. Zwei Wochen später erschien ein Neuankömmling im Hafen von Skolheim. Alles hier war neu für ihn, fremd und ungewohnt. Er begann mit seiner ersten Aufgabe, arbeitete hart und zielstrebig, denn das Bild einer wunderschönen Barbarin, das er ständig im Geiste vor sich sah, trieb ihn an. Ihretwegen war er hier, ihretwegen nahm er all die Mühsal auf sich. Er musste nur rasch an Stärke und Geschick zulegen, um in ihren Augen für würdig befunden zu werden, sich in ihrer Nähe aufhalten zu dürfen. Und finden, finden musste er sie auch noch...
Link zum Thema
The story continues... Solange ich noch Texte von Sangri habe, poste ich mal weiter, heute also wieder Sangris Text. ________________________________________________________ "Wo er wohl gerade steckt?" kam es ihr in den Sinn. Die junge, ungestüme Barbarin saß locker auf dem Beobachtungturm am alsischen Reichstor. Das Kinn auf die Hand gestützt schaute sie verträumt in den Himmel. Eine gute Woche war es nun her, seit sie sich auf der Syrtenseite getroffen hatten. Seitdem kam weder ein Bote, noch er selbst um ihr eine Nachricht, ein paar Worte oder von ihr aus sogar einen Angriff zu übermitteln, Hautpsache überhaupt ein Lebenszeichen! Sie machte sich Vorwürfe. "War es richtig ihm diesen Kuss, eher dieses 'Küsschen', zu geben? Ist das der Grund warum ich nichts mehr von ihm sehe? Verabscheut er mich vielleicht sogar deshalb? Das wäre schrecklich..." In den vergangenen Tagen hatte sie sich mehreren Aufrufen zu Kämpfen auf syrtischer Kriegszonen-Seite angeschlossen, in der Hoffnung das vertraute Gesicht zu erblicken. Aber nichts war. Sie wurde dem saftigen Grün überdrüssig, konnte nicht verstehen wie man die ganze Zeit dieses Grasgrün um sich haben konnte. "Es gibt doch dieses Wüstenreich. Ich bin bereits einmal da durch gereist, als mir einer der hiesigen Wächter einen Auftrag gab, die Kriegszone zu erkunden und nach Feindbewegungen Ausschau zu halten. Ich muss mich ablenken. Je früher ich mich mit der Tatsache, dass er mir aus dem Weg geht und den damit verbundenen Gründen abfinde, umso schneller wäre ich wieder für das Wesentliche offen." Sie nahm ihren Speer, lief die Treppen herunter und ging durch das robuste Reichstor. Fast augenblicklich überkam sie wieder diese Unsicherheit, die sie noch immer spürte, wenn sie die umkämpfte Kriegszone betrat. Sie stieg auf ihren Braunen und ritt hastig zur Lebenssäule des alsischen Volkes in der Kriegszone. Dort angekommen, fragte sie einmal in die Runde: "Ich bin auf dem Weg nach Ignis, um Feinde unseres Volkes zu bekämpfen. Wenn jemand mit mir kommen möchte, möge er sich bitte bei mir melden." Sie wartete einige Minuten, doch niemand reagierte auf sie. Entäuscht und mit dem Gefühl, allein zu sein, ritt sie nun zur nordöstlichen Brücke der Festung Menirah entgegen. Kurz vor deren Mauern stieg sie vom Pferd und gab ihm einen Klapps, so dass es zurück in die sichere Zone ritt. Außer den plumpen Wächtern sah sie weder Freund noch Feind, darum wandte sie sich gen Südwest, vielleicht kamen ja Feinde aus dem Reichstor, die sie abpassen konnte. Auf ihrem Weg dorthin sah sie ein riesiges Skelett, vermutlich das eines Drachen. Vor seiner schieren Größe und Beachtlichkeit vergaß sie ihr eigentliches Ziel und ging zu dem Haufen von erstaunlicher Präzision liegenden Knochen. "Das würde ihm bestimmt gef... NEIN! Nicht an ihn denken. Du bist hier, um ihn zu vergessen!" ermahnte sie sich still. Kurze Zeit später, während sie noch die Knochen bewunderte, hörte sie leichten Kampflärm. Blitzartig versteckte sie sich hinter dem riesigen Knochenschädel des Drachen, und beobachtete das Geschehen. Ein Bogenschütze kam in ihre Richtung gelaufen, gefolgt von 2 Barbaren, die ihm offensichtlich ans Leder wollten. Diese Krieger, Dunkelelfen soweit sie erkennen konnte, sahen gefährlich aus, doch ihre Waffen wirkten weitaus einschüchternder. Sie hielt sich lieber raus und wartete bis die 3 außer Sichtweite waren. Was sich als schwierig erweisen könnte, da sie genau auf das Skelett zuhielten. "Oh nein, bitte lass das nicht wahr sein!" Nun erkannte sie den Bogenschützen, es war niemand geringerer als der werte Simplex. In seinen Augen lag grimmige Entschlossenheit, seine Brauen waren zu einem ernsten V zusammengezogen, und seine Miene ließ keine Gnade erkennen. Doch wieso lief er weg? Sie verstand, als er sich kurz umdrehte, 2 Pfeile auf die Verfolger fliegen ließ und sofort weiter lief. Er hielt sie auf Abstand, schoss Pfeile mit tödlicher Präzision auf die beiden und ließ nicht zu, das sie ihn zerfetzen konnten. Doch sie kamen immer näher, schlugen abwechselnd ein hörnerndes Signal, und liefen dadurch schneller als er. Ehe sie sich versah, sprang er am Schädel, ihrem Versteck, vorbei. Auf einmal war alles wie in Zeitlupe. Gedanken überschlugen sich, sie wusste nicht was sie tun sollte. Einschreiten, Simplex helfen und sich ihm stellen, vielleicht sogar sterben? Oder im Versteck bleiben, ihm aus dem Weg gehen und einfach abwarten bis sie wieder allein war? "Allein!" Dieses Wort bereitete ihr Kummer. Sie entschloss sich, ihm zu helfen. Doch sie wusste, das sie dazu Köpfchen brauchen würde. Sie war zu schwach, um auch nur einen besiegen zu können. Sie musste sich, auch ohne Absprache, auf Simplex abstimmen. Der Jägersmann lief weiter, die Dunkelelfen kamen meiner Position näher. Noch drei Meter, zwei, JETZT! Heldenhaft sprang sie aus ihrem Versteck und brüllte die beiden aus tiefster Seele an, was sie betäuben ließ. Mit seinen katzenartigen Reflexen begriff der Jäger sofort was geschehen war, wenngleich man ihm die Überraschung ansah. Dennoch schien er der Hilfe nicht abgeneigt. Sie begann ihre mentale Stärke zu sammeln und auf ihren Körper zu übertragen. Simplex schoss einen der Dunkelelfen an, was ihn aus seiner Betäubung löste. Sofort war die kleine Barbarin an ihn heran, trat ihn, dass er auf den Boden fiel und deckte ihn mit Schlägen und Stichen ihres Speeres ein. Simplex indessen schien ebenfalls zu erstarken. Seine Hände begannen zu leuchten, und er versprühte eine Kälte, als wäre sein Blut in den Adern gefroren. Es dauerte nur Sekunden, da lag der erste Dunkelelf blutend im Sand und rührte sich nicht mehr. Sangris unfreiwilliger Gefährte setzte den Fokus auf den anderen Dunkelelfen, der sich mittlerweile aus seiner Zerstreuung gelöst hatte, während sie noch das blutige Ausmaß der Zusammenarbeit mit diesem mächtigen Jäger betrachtete. "Das ist also Krieg..." dachte sie bekümmert. Dieser kurze Moment der Unachtsamkeit ließ Simplex in Bedrängnis geraten. Aufgrund meines Einschreitens war er wieder näher gekommen, was ihn verwundbar für die grobschlächtigen Nahkämpfer machte. Der Dunkelelf hatte ihn ebenfalls getreten und war gerade auf dem Höhepunkt seiner Stärke. Die tapfere Heldin begann ein heulendes Geschrei, welches den Ignesen zusammenzucken liess. Er schaute kurz zu ihr und war nicht im Stande, der Kleinen auch nur eine seiner Fähigkeiten entgegen zu schleudern. Diesen kurzen Moment nutzte der Bogenschütze, um wieder aufzustehen und den Feind mit einem Hinterhalt nun ebenfalls auf den Boden zu schicken. Drei Schritte, dann stand ich neben ihm, ließ meiner kontrollierten Wut freien Lauf, was auch meine Hände kurz aufleuchten ließ. Zwei Speertreffer und vier Pfeile später lag nun auch dieser Barbar tot und blutend im Sand. Keuchend sah Simplex auf die Leiche, sichtlich erschöpft vermochte er nicht gerade viel zu tun. Er wischte sich den Schweiß von der Stirn, setzte ein dankendes Lächeln auf die Lippen und streckte die Hand zum Dank nach mir aus... Der Moment, als sich unsere Augen trafen, ließ unsere Umgebung vibrieren. Seine Augen weiteten sich, und seine Mundwinkel fielen tief. Anscheinend hatte er die ganze Zeit nicht mitbekommen, wer da sein überraschender Helfer gewesen war. Diese plötzliche Erkenntnis ließ ihn einen Schritt zurück machen. "Simplex, grüße Dich... Wir haben uns lange nicht gesehen. Was..." weiter konnte das verlegene Mädchen nicht sprechen. Ihr Schwarm hatte zitternd einen Pfeil auf den Bogen gelegt und zielte auf sie. Als er schoss, flog dieser knapp an ihr vorbei und ließ sie kurz ablenken. Diese paar Sekunden nutzte er, um vor ihren Augen zu verschwinden. Als die Benommenheit von ihr abließ, wurde sie traurig. Er war weg. Ohne ein Zeichen, einfach nur verschwunden. Dieses Gesicht würde sie so bald nicht vergessen. Sie verzog sich wieder in den Schädel und begann bitterlich zu weinen. Kein Feind kam vorbei, um sie zu töten. Kein Freund kam vorbei, um sie zu trösten. Sie war allein. In den ersten Minuten war es ihr fast so, als säße er noch versteckt neben ihr, beobachtend und nicht im Stande, die Hand nach ihr auszustrecken. Doch das Gefühl wurde immer schwächer, und irgendwann weinte sie sich in diesem Drachenschädel in den Schlaf, ungesehen und versteckt vor allen Augen...
Link zum Thema
Er stand auf Wache im Algaros Fort. Es war ein ruhiger, warmer, sonniger Sommertag. Schläfrig döste er auf seinem Beobachtungposten über dem Tor. Er ertappte sich dabei, wie seine Gedanken immer wieder abschweiften, weil die Gesichtszüge einer jungen alsischen Barbarin vor seinem geistigen Auge erschienen. Sangri. Sollte er etwa mehr für sie empfinden als bloße Zuneigung? Er warf diesen Gedanken weit von sich. Natürlich nicht! Sie war zwar recht nett, das schon, aber sie war eben eine Barbarin und sie kam aus einem feindlichen Reich, sie war grob und ungehobelt, wie es Barbaren nun mal sind, da sind sie doch alle gleich! - und hatte sehr sanfte, dunkelbraune Augen, kurze rote Haare, und manchmal sogar rote Bäckchen, wenn sie verlegen wurde, ja, das hatte sie, dann wollte man sie am liebsten in den Arm nehmen und nicht mehr loslassen... versonnen drehte er eine rote Blume in den Händen und sah dabei wieder ihr rotes Haar vor sich, das dem seinen so sehr ähnelte. Und dann die Grübchen wenn sie lächelte, ihre warmen Lippen... Immer noch fühlte er den Kuss auf seiner Wange, den sie ihm kurz vor ihrem Todesschlaf gegeben hatte, fühlte ihren warmen Atem auf seiner Haut, als sie ihm ganz nah gewesen war, spürte das Bedürfnis, sie nocheinmal sehen zu wollen. "Tu es!" hatte sie zu ihm gesagt und sich vor ihn hingestellt. "Gib mir einen Pfeil, direkt in mein Herz. Es ist Dein Recht das zu tun. Meine Tat kann nur mit einer gleichwertigen gesühnt werden. Bitte tu es, sonst werde ich keinen Abend mehr froh sein... Ich habe es verdient. Tu es bitte, damit wir wieder quitt sind." Ja! Er wollte es tun! Genau so wie sie es von ihm verlangt hatte! Keinen Pfeil ins Herz, das nicht; aber er wollte ihr ebenfalls einen Kuss auf die Wange geben, damit sie wieder quitt sein würden. Er würde ganz dicht vor ihr stehen und würde ihre roten Bäckchen sehen, würde ihr verlegen zur Seite gewandtes wunderschönes Gesicht zu sich heranziehen und ihr dann einen Kuss auf die Wange - nein, noch besser! Auf den Mund! Jawohl! Auf den Mund geben, damit das auf diese Weise ein für alle Mal zwischen ihnen geklärt sein würde und er endlich Ruhe hätte und nicht mehr immerzu über sie nachdenken müsste. So würde er es machen! Er sprang sofort auf, lief die Treppe hinunter und durchs Tor hinaus Richtung Brücke. Erst nachdem er etwa hundert Meter weit gelaufen war fiel ihm auf, dass er sein Pferd, seinen Bogen und seine Pfeile im Fort zurückgelassen hatte. Abrupt blieb er stehen. Was hatte diese Barbarin mit ihm gemacht? Er war ja völlig kopflos geworden! Und wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf ihn die Erkenntnis der ernüchternden Wahrheit. Das, was er sich nicht hatte eingestehen wollen, war tatsächlich geschehen: er hatte sich verliebt; verliebt in eine alsische Barbarin. - Verdammt! Die Wucht dieser Erkenntnis traf ihn so sehr, dass er sich erst mal ins Gras setzten musste. Das durfte nicht sein! Das konnte nicht sein! Das hatte es noch nie gegeben! Ein Wiedersehen würde dann ja alles nur noch viel schlimmer machen! Das wurde ihm jetzt immer deutlicher bewusst. Hastig sprang er auf, lief zurück ins Fort, nahm seinen Bogen und die Pfeile, schwang sich auf sein treues Ross und ritt in gestrecktem Galopp Richtung Syrtis. Er musste Abstand gewinnen. Sein Entschluss stand unverrückbar fest. Er würde dorthin gehen, wo kein Reichsfremder jemals hinkommen konnte. Er würde auf die Initiationsinsel gehen. Dort würde er in der Einsamkeit des tiefen Waldes meditieren und abwarten, solange, bis er wieder Herr über sich und seine Gefühle sein würde. Danach würde er im fernen Ignis die schwierigsten Aufträge übernehmen, weit weg von Alsius und weit weg von ihr, nur um ihr nicht mehr begegnen zu müssen, ihr, der einzigen, derjenigen, der es gelungen war, auf so wundersame Weise sein Herz zu berühren: Sangri.
Link zum Thema
Schwitzen oder Nichtschwitzen, das ist hier die Frage: Ob's edler im Gemüt, die Pfeil' und Schleudern des wütenden Geschicks erdulden oder, sich waffnend gegen eine See von Plagen, im Widerstand zu enden. Der User unter mir zieht das Letztere vor.
Link zum Thema
Da Sangri im Urlaub ist, darf ich heute Sangris Text posten. ________________________________________________________________ Sie näherte sich vorsichtig dem auf dem Boden liegenden Feind, den Speer stoßbereit vor sich haltend. Ein schneller spähender Blick in die Dunkelheit, um sich zu vergewissern, dass da nicht noch andere Höllenbrut wartete. So einfach konnte man eine Sangri nicht überlisten, dachte sie grimmig. Als sie neben der Leiche kniete, die kurz vor ihrem Tod noch irgendwas vor sich hin gemurmelt hatte, sah sie etwas, das ihr den Atem stocken ließ: diese Brosche, sie hatte sie schon einmal gesehen! Warmen Herzens erinnerte sie sich an den Abend vor vier Tagen, als der geheimnisvolle Fremde alle Gefahren auf sich genommen hatte, um ihr ein paar Worte der Wegfindung mitzuteilen. Obschon er von einem robusten Umhang umhüllt gewesen war, konnte sie dennoch eines klar erkennen: die Brosche. Sangri begann augenblicklich über dieses Missverständnis zu weinen. Viele Tränen verließen ihre Augen, denn sie erkannte nun, welch grausigen Fehler sie gemacht hatte. Was sie augenscheinlich als Angriffshaltung erkannt hatte, war nichts weiter als eine freundschaftliche Umarmung gewesen. Nach einigen befreienden Minuten des Trauerns besann sie sich seiner Worte, die sie für einen feindlichen Fluch gehalten hatte. Sie hatte offen gestanden nichts davon verstanden. Die Worte "Shane Dark" hallten ihr im Kopf. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund pochten diese zwei Worte immer wieder in ihrem Kopf... Ihr ausgeprägtes Gefühl für Ehre konnte das Ganze nicht so auf sich sitzen lassen. Sie wusste was mit den Seelen hier Verstorbener passierte: man fällt in diesen Schlaf, und wacht kurz darauf an einer dieser sagenumwobenen Lebenssäulen auf. Sangri wusste, dass es in Syrtis ebefalls eine solche gab, und genau das würde ihr Ziel sein! Vom Friedhof aus wandte sie sich südwestlich, der Brücke entgegen, die zum syrtischen Fort Algaros führte. Doch dieses war nicht ihr Ziel. Sie erklomm den Berg, folgte dem Weg südöstlich, kam dabei an einem wunderschönen Pavillon vorbei, und fand sich schlussendlich auf einer großen Wiese voller Zyklopen und Löwen wieder. Tief geduckt und den Speer parallel seitlich zu ihr tragend schlich sich Sangri weiter der Lebenssäule der Syrten entgegen. Sie hoffte, ihn dort zu finden, vielleicht wartete er sogar auf sie? Da vorn, die Leuchtkugel der Säule war bereits zu sehen. "Nimm die Schmach von mi..." Wie ein Kirchenschlag in der Stille der Nacht überkam sie ein Gefühl des Schwindels, als sie von einer hinterhältigen Attacke umgehauen wurde. Schon die endlos vielen Pfeile erwartend, schloss ich meine Augen und stemmte mich einfach wieder hoch, gefasst auf den sicheren Tod. Sie lag auf dem kalten Stein direkt oberhalb der syrtischen Lebenssäule, und hätte Simplex fast erkennen können... "Sangri?" Es war beinahe ein Flüstern, so dass ich mich umdrehen musste um zu schauen, warum ich noch nicht tot war. Ein schlanker, aber keineswegs schmächtiger junger Bogenschütze stand ein paar Meter von mir entfernt und schaute mich verwundert an, während er auf mich zeigte und noch einmal, diesmal mit normaler Lautstärke, sprach: "Sangri, bist Du das nicht?" Ich tat mich noch etwas schwer mit dem südländischen Akzent der Waldbewohner, aber Simplex bemühte sich sichtlich, zu sprechen, dass ich ihn verstand. "Simplex? Shane Dark? So darf ich Dich nennen, richtig? Wie hast Du mich in der Dunkelheit überhaupt erkannt?" Er begann leicht zu lächeln, schmunzelte sogar ein wenig. "Wie Du mich nennen kannst sage ich Dir später. Erkannt habe ich Dich an deinen roten, kurzen Haaren und dem blauen Speer, den heutzutage nicht mehr viele tragen. Das macht Dich... sagen wir mal, individuell." Wir lachten beide kurz. "Und wie hast Du mich nun auf einmal erkannt?" "Simplex, es..." Da flossen sie wieder, die Tränen der Reue. Ich sank auf die Knie, hilflos irgendwas von mir zu geben, und hielt mir mit meinen Händen das Gesicht. Ich spürte eine Hand auf meinem Rücken, ich erschrak und schaute Simplex auf einmal ins Gesicht. Unheimlich, diese Jäger. Ich hatte nicht einen einzigen Schritt von ihm gehört. "Es ist okay Sangri. Du bist noch neu in unserer Welt, Du bist misstrauisch und hast Angst, verraten zu werden. Ich mache Dir keine Vorwürfe." Aus seinem Mund klang es so logisch, als hätte ich keinen Fehler gemacht. Das mochte in der Praxis vielleicht sogar stimmen, aber mein Kopf sagte mir was völlig anderes. Ich ließ mir von ihm hochhelfen, und er fragte erneut: "Und nun sag schon, wie hast Du mich diesmal erkannt?" "Deine Brosche... Sie ist so einmalig wie das Glitzern des Mondlichts in einer klaren Nacht. So etwas sieht man kaum ein zweites Mal." Wieder schmunzelte er schelmisch. Abrupt löste ich mich von ihm, stellte mich in voller Größe vor ihm auf und schaute ihm fest in sein verdutztes Gesicht. "Tu es. Gib mir einen Pfeil, direkt in mein Herz. Es ist Dein Recht das zu tun. Meine Tat kann nur mit einer gleichwertigen gesühnt werden. Bitte tu es, sonst werde ich keinen Abend mehr froh sein." Ich schloss langsam meine Augen, und auch wenn ich wusste das es richtig war, hatte ich Angst vor dem Schmerz, der Dunkelheit, dem Gefühl des Sterbens. "Das ist doch jetzt wohl nicht Dein Ernst!" rief er lauter, als er wollte. "Du glaubst doch nicht ernsthaft, das ich Dir einfach einen Pfeil in die Brust schieße?" "Ich habe es verdient. Tu es bitte, damit wir wieder quitt sind. Meine Tat wird sonst auf ewig wie eine schwarze Regenwolke über uns hängen." "Das ist doch Blödsinn, Du kannst nicht von mir erwarten Dir einen Pfeil zu verpassen. Ich mag Dich Sangri, sonst hätte ich all das Vergangene nicht getan. Und genau darum wird nie auch nur einer der Pfeile aus meinem Köcher in Deinen Körper treffen." "Du... Du verstehst das nicht. Ich fühle mich so schuldig" wieder begannen mir die Tränen über die Wangen zu rinnen, und ich wandte mich von ihm ab. "Tu es Simplex. Du, oder jemand anderes wird es tun..." flüsterte ich, gerade so dass er es verstehen musste. "Du wirst doch nicht... Halt, Sangri! STOPP!" Er eilte zu mir, als ich mich von dem Felsvorsprung fallen ließ. Die Wächter an ihrer Lebensquelle würden mich vernichten. Sie kannten weder Gefühle noch Moral. Sie feuerten ohne Gnade auf alles, was nicht zu ihrem Reich gehörte. Simplex schaffte es meine Hand zu fassen, doch statt mich festhalten zu können, fielen wir beide runter. Kurz lagen wir da im Dreck, dicht beieinander, und irgendwie wurde mir ganz anders. Ein Kribbeln im Bauch, als ich in sein Gesicht schaute, welches keine zwanzig Zentimeter von meinem entfernt lag. Verlegen schloss ich meine Augen und erhob mich langsam... "NEEIN! SANGRI!" Simplex stellte sich schützend vor mich und hielt mich fest. Vier Pfeile ragten aus meiner Brust, ich hatte gar nicht gemerkt, dass überhaupt geschossen wurde, aber diese Wächter waren äußerst flink bei sowas. Ich spürte keinen Schmerz, ich sah lediglich wie Simplex mich anschaute und zu mir sprach, aber ich konnte ihn nicht hören. Ich wurde nur noch von ihm halbwegs aufrecht gehalten, aber ich wusste, dass ich gleich wieder schlafen würde. Ich hob meine Hand und legte sie ihm auf die Wange, zog sein Gesicht so zu meinem und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Er kniff die Augen zusammen, wollte seine Tränen unterbinden, das sah man ihm deutlich an. "Er hat wunderschöne Augen, besonders, wenn sie so glitzern..." Mit diesem Gedanken schloss ich meine Augen und sollte bald darauf andernorts wieder aufwachen...
Link zum Thema
"Sangri?" Keine Antwort. Hier war der Ort den er in seiner Botschaft an sie angegeben hatte. "Sangri! Bist du da?" Er lauschte, er hoffte auf eine Antwort - nichts. Warum kam sie nicht? Hatte er etwas Falsches zu ihr gesagt, hatte er sie verärgert? Er grübelte darüber nach. Er hatte einen Boten geschickt mit der Nachricht, dass sie sich unbedingt um ein Uhr Nachts beim alten Friedhof in der Nähe des Teleports treffen müssten. Es war riskant, denn sie war eine Barbarin aus Alsius und er ein syrtischer Jäger; er wusste, dass sie aufbrausend sein konnte, aber er hatte sie nun mal in sein Herz geschlossen und deshalb um dieses Treffen gebeten, weil er ihr etwas Wichtiges mitzuteilen habe, wie er in seiner Botschaft an sie geheimnisvoll geschrieben hatte. Und jetzt kam sie nicht! Schon über eine halbe Stunde hatte er hier gewartet. War ihr etwas geschehen? "Sangri!" Er war der Verzweiflung nahe. Sollte ihr wegen ihm etwas zugestoßen sein, er würde es sich niemals verzeihen können. Er setzte sich mutlos auf einen Stein. "Ach Sangri" sagte er nochmals leise vor sich hin. Er hatte gehofft, dass dieses Wichtige, das er angekündigt hatte, sie neugierig machen würde. Und es war ja auch durchaus notwendig, dass sie darüber bescheid wusste, denn sonst konnte es nämlich trotz allem tatsächlich doch geschehen, dass - was war das? Hatte da nicht gerade ein Zweig im Unterholz geknackt? Das musste sie sein! Erwartungsvoll blickte er hinüber zum Wald. Eine alsische Barbarin trat zwischen den Bäumen hervor, ihren Speer kampfbereit in der rechten Hand. Endlich! Erleichtert lief er auf sie zu, breitet die Arme aus - doch sie erkannte ihn nicht! Sie deutete seine hastigen Bewegungen als Angriff, hob reflexartig den Speer -- und stieß zu, mitten in sein Herz. Er sank zu Boden. "Sangri, bitte..." Er konnte nur noch schwer sprechen. Blut quoll aus seiner Wunde, er hustete, spuckte Blut. "Sangri, ich bin's doch..." Es war zu spät. Mit letzter Kraft versuchte er ihr noch etwas mitzuteilen: "Sangri ... mein wahrer Name ist ... Shane ... Shane Dark ... " Es war das letzte was er noch sagen konnte bevor er starb.
Link zum Thema
"Kommt sofort!", rief der Wirt hinüber zum alten Mann. Er wandte sich um. "Dyrgja, Schätzchen, bist du mal so gut - ?" Hinter dem Tresen kam eine Zwergin zum Vorschein, die etwa einen halben Kopf größer aber dafür auch etwas beleibter war als der Wirt. In der linken Hand trug sie zwei Humpen mit Bier, die rechte hielt eine Holzplatte mit gerösteten Fleischstücken. "Bin schon dabei mein Häschen", sagte sie im Vorbeigehen zum Wirt und stellte das Bier und Fleisch vor dem Mann und der schönen Beschwörerin Xenaria ab. Der Wirt wandte sich wieder dem ignesischen Ritter zu. Es war doch immer das gleiche mit diesem Wüstenvolk, Harry Weedson bildete da keine Ausnahme: kaum stellte man ein etwas größeres Gefäß mit Flüssigkeit vor sie hin, konnten sie dem nicht widerstehen. Der Met war natürlich der gleiche den er sonst auch ausschenkte; aber die Menge, die Harry Weedson davon in sich hineingeschüttet hatte (der nachgefüllte Krug war auch schon wieder zur Hälfte geleert), hätte ausgereicht, um selbst einen Ochsen in die Knie zu zwingen. "Herr Ritter?" Harry saß an die Wand gelehnt, der Kopf war nach vorne gekippt und tiefe Atemzüge verrieten, dass er im Land der Träume weilte. Vorsichtig zog der Wirt die Axt hinter dem Rücken des Ritters hervor und hing sie wieder an das an der Wand lehnende Schild. Keiner sollte sagen, dass er seine Gäste vernachlässigte. Dann nahm er ebenso vorsichtig die wundersam verarbeitete qualmende Pfeife aus dem Mund des Ritters, tauchte sie kurz in den Krug, wo sie mit einem feinen Zischen erlosch und legte sie vor ihn auf den Tisch. Harry Weedson würde am Morgen mit einem brummenden Schädel wieder aufwachen, aber das sollte sein Problem sein; Hauptsache er konnte bezahlen. Sorgfältig verschloss der Wirt das Fass und rollte es zurück hinter die Theke.
Link zum Thema
Der Wirt rollte ein gewaltiges Fass Met herein und deponierte es vor Harrys Tisch. "Bittesehr der Herr. Dies ist der stärkste und beste Met den es in ganz Regnum gibt. Ein Gläschen davon genügt, um einen gestandenen Barbaren ins Land der Träume zu versetzen. Aber für Euch", er nahm dabei den Deckel des Fasses ab und schöpfte mit einem Krug von der Größe eines Schweinskopfes Met, den er krachend vor Harry Weedson abstellte, "wird es ja wohl eine Kleinigkeit sein, dieses Krüglein hier in einem Zug zu leeren. Oder fürchtet Ihr etwa die Nebenwirkungen..." Die Gespräche in der grünen Taverne waren verstummt. Alle Augen richteten sich jetzt erwartungsvoll auf den Mann mit der dunklen Kapuze über dem Kopf, der Axt in der Hand und der Pfeife im Mund.
Link zum Thema
"Hurra!!" schrien alle Anwesenden und beglückwünschten den wackeren epischen Ritter aus der berühmten Gilde "Bund der Falken" mit einem überschwenglichen "Hoch solln sie leben, hoch solln sie leben, drei - mal - Hoch!!!". Auch der Wirt ließ sich jetzt nicht mehr lumpen, brachte einen extra großen Humpen des edelsten Gebräus und stellte es mit den Worten "Eine kleine Aufmerksamkeit des Hauses für den lange Verschollenen!" vor ihm ab. Anschließend kam es zu einem Defilee aller Kneipenbesucher; jeder einzelne zog persönlich an ihm vorbei und schüttelte ihm die Hand, wobei selbst seine bisher hartnäckigsten Feinde oft verstohlen eine Träne der Rührung wegwischten, glücklich darüber, ihn nocheinmal erleben zu dürfen. Traurig bemerkte Black Daniels dabei, dass sein alter Kumpel Ice gar nicht unter den Anwesenden war; er hatte ihn beim Betreten des Raumes mit einem anderen Bogenschützen verwechselt. "Hat es plötzlich eilig gehabt und ist wie von der Tarantel gestochen weggerannt", sagte der Wirt auf seine Nachfrage, "aber ein ordentliches Trinkgeld gegeben, das hat er noch", fügte er hinzu, während er mit einem alten Lappen über den Tresen wischte.
Link zum Thema
"Guter Mann! Nicht doch!", rief der alturianische Jäger, der das Aussehen eines syrtischen Elfen angenommen hatte, "ihr verwechselt Bücher und Schriftrollen mit Holzscheiten! Haltet ein!" Er war von seiner angeregten Unterhaltung mit der überaus sympathischen Dunkelelfin Xeveriana und der nicht weniger anziehenden Nordo-Jägerin Whiskey aufgesprungen. "Entschuldigt mich bitte für einen Moment", sagte er und lief mit raschen Schritten hinüber zu dem alten Mann im dunklen Mantel, der soeben im Begriff war, die Bücher und Rollen ins Feuer zu werfen. Im letzten Moment bekam er dessen Arm zu fassen. "Nicht doch! In Büchern steckt Weisheit, und manche Schriftrolle kann einen mächtigen Zauber bergen, man sollte diese Dinge nicht unnötig für die Wärmegewinnung verschwenden. Der Inhalt wäre ja unwiederbringlich dahin!". Vorsichtig nahm er die Bücher und Rollen aus den Händen des alten Mannes und legte sie beiseite auf einen Stuhl. "Seht! Diese Holzstücke hier kann man zum Heizen verwenden!" Er wandte sich dem Lamai zu, der soeben den zweiten Humpen Bier bis auf den letzten Rest ausgetrunken hatte und nun leicht schwankend an der Theke stand. "Ihr erlaubt?" Ohne eine Antwort abzuwarten ergriff der Jäger mit einer Hand die sieben Holzscheitchen, die der Lamai vorhin hereingetragen hatte, und warf sie mit Schwung ins Feuer.
Link zum Thema
Ein alturianischer Jäger war zunächst unbemerkt hereingekommen und hatte sich in die Nähe des wehrhaften Lamai gesetzt. Doch als sich kurze Zeit nachdem er den Raum betreten hatte, ein bestialischer Tiger in den Schankraum schob, dessen Schulterhöhe die des sitzenden Lamai um eine gute Spanne überstieg, wendeten sich alle Augen den neuen Gästen zu. Der Tiger drängte sich durch die Schanktische, um zu seinem Herrn zu gelangen; dabei stieß er an den Tisch des Lamai, die wackelige Tasse kippte und der Tee floss über die Platte. "Verzeiht - mein Herr! Sie ist noch jung und sollte eigentlich draußen bleiben. Sheena! Teithant i thîw hîn! No aer in eneth lín!" Mit einem widerwilligen Knurren, gefolgt von einem Fauchen, bei dem sie ihr Maul soweit öffnete, dass der Lamai bequem darin Platz gefunden hätte, blieb Sheena zuächst auf der Stelle stehen, doch ein strenges "Sheena! Di ai gerir!" ihres Meisters, wobei er mit ausgestrecktem Arm zur Tür wies, zwang sie dazu, den Rückzug anzutreten. "Es soll nicht wieder vorkommen", sagte er zu dem Lamai, nachdem sie den Raum verlassen hatte. "Darf ich Euch zu einem Tee einladen? Ich hoffe Ihr nehmt es ihr nicht allzu übel. Herr Wirt! Bringt bitte eine neue Tasse Wasser für diesen Herren hier!" rief er durch den Raum und legte ein Goldstück auf den Tisch. "Und für mich ebenfalls!", fügte er hinzu. "Wenn Ihr wollt - ich habe hier einen ausgezeichneten Feinschnitt aus dem syrtischen Arvanna Tal." Er holte einen Tabaksbeutel aus seiner Tasche und legte ihn auf den Tisch. "Wie ich sehe wisst Ihr ein gutes Kraut zu schätzen", sagte er mit Blick auf die Pfeife am Gürtel des Lamai. "Und der hier ist wirklich was ganz Besonderes."
Link zum Thema
Der Wirt, ein bulliger kleiner Zwerg mit einer fleckigen Lederschürze um den voluminösen Bauch, stellte den Humpen und die Tasse vor dem Lamai auf den Tisch. "Bitte sehr der Herr - oder die Dame? Kann das nie so recht bei Eurereins unterscheiden - hehehe." Er sah sich beifallheischend nach den anderen Gästen um; ein Lamai war immer ein willkommenes Opfer für einen derben Scherz. Der Lamai erhob sich betont langsam von seinem Platz. Trotz seiner Stattlichkeit war er immer noch einen halben Kopf kleiner als der Zwerg. Er zeigte auf seine steil nach oben ragenden Ohren, die sich langsam von rosa in dunkelrot verfärbten. "Seht Ihr diese Ohren?" "Natürlich sehe ich Eure Ohren! Niemand kann Eure wahrhaft riesigen Ohren übersehen - hehe." Damit blickte er sich wieder kurz zu den anderen Gästen um, die auf den Wortwechsel aufmerksam geworden waren. "Dann passt jetzt gut auf!" Der Lamai trat dich vor den Wirt, beugte den Kopf leicht nach vorne und schüttelte ihn plötzlich mit schnellen Bewegungen hin und her, so dass die Ohren mit lautem Klatschen auf die Wangen des Zwerges trafen. "Merkt Euch: Wenn ein Lamai das mit Euch machen kann, handelt es sich um einen Mann!" Damit setzte er sich wieder auf seinen Platz und nahm einen Schluck Bier aus dem Humpen, begleitet von dem grölenden Gelächter der anwesenden Gäste. "Gut gegeben! Setzt Euch zu uns! Wirt! Noch ein Bier für diesen werten Herren!"
Link zum Thema
"Sangri? - Auf ein Wort!" Es war Nacht in Montsognier, der Hauptstadt von Alsius. Um diese Zeit waren nur wenige noch unterwegs. Ein Mönch in einem schwarzen Kapuzenumhang, der vorne mit einer edlen Brosche zusammengehalten wurde, legte der vorbeieilenden kleinen Barbarin die Hand auf die Schulter. Abrupt blieb sie stehen. "Ich habe gehört, dass du in Syrtis gewesen bist?" - "Wer bist du? - Und was geht's dich an?", antwortete sie schroff, ungehalten über diese unwillkommene Verzögerung ihres Vorhabens. Der Mönch warf die Kapuze zurück und lächelte. Überrascht sah sie ihn an. Seine Gesichtszüge erinnerten sie an die Syrten, denen sie am Waldstrand in Syrtis begegnet war. "Nenn mich einfach Simplex", sagte er. Ein Syrte! Hier in Montsognier! Und diese Augen! Sie hatte das Gefühl, als schauten sie tief in sie hinein, bis auf den Grund ihrer Seele. Verlegen blickte sie zur Seite, konnte aber nicht verhindern, dass das Blut in ihre Wangen schoss. Simplex betrachtete sie eine Weile. Er war sich jetzt nicht mehr so sicher, ob es richtig gewesen war, hierher zu kommen. Er räusperte sich kurz. "Also, ein Freund von mir schickt mich. Du warst mit ihm am Strand. Ich soll dir sagen, dass es ihm leid tut." Ach das! "Warum hat er es getan? So ganz ohne Vorwarnung meine ich?" Sie blickte ihm wieder ins Gesicht. "Er musste es tun. Man hat ihn beobachtet, wie er mit dir zusammen am Strand war. Als er es merkte, blieb ihm nichts anderes übrig als dich zu töten. Er musste beweisen, dass er nicht mit Alsius zusammenarbeitet." Eine Weile schwiegen beide. Er betrachtete ihre immer noch geröteten Wangen. "Bitte nimm es dir nicht so zu Herzen. Gerade deine Offenheit macht dich angreifbar. Du willst geliebt werden, erfährst Zurückweisung und läufst Gefahr, dabei zu verbittern. Mach das bitte nicht, liebe Sangri! Wer mit offenem Visier kämpft, so wie du, der provoziert manch anderen unbewusst dazu, dir ein Bein stellen zu wollen, dich vom graden Weg abzubringen, weil er deine Direktheit nicht vertragen kann." Er schwieg einen Moment. "Was will ich dir eigentlich sagen? Wenn ich in deine Seele schaue, auf dein innerstes Wesen, sehe ich da ein helles klares Licht. Lass es bitte weiter scheinen und versteck es nicht!" Der weise Simplex schlug die Kapuze wieder über den Kopf. Er verschwand im Gewirr der Gassen der alten Hauptstadt des Reiches, Sangri konnte ihm nicht folgen. Verdutzt blieb sie stehen. Wollte sie ihm überhaupt folgen? - Nein! Sie dachte kurz über das nach was er zu ihr gesagt hatte. "offenes Visier" "innerstes Wesen" "helles Licht" - das alles ergab keinen Sinn. Sie war jetzt im 50. Level und sie war bereit, weiter zu gehen als jemals zuvor, fühlte Kräfte in sich, von denen sie vorher noch nicht einmal geahnt hatte, dass sie sie besaß. Sie spürte das Bedürfnis, ihrer Ausbilderin einen Besuch abzustatten; diese hatte ihr bisher noch immer einen guten Rat geben können. Sie wusste, dass sie bei ihr jederzeit willkommen sein würde, selbst jetzt, in der tiefen Nacht, und so machte sie sich wieder auf den Weg. Währenddessen trat eine dunkle Gestalt, dem Anschein nach ein Mönch mit einer schwarzen Kapuze über dem Kopf, aus dem Schatten eines Toreinganges und blickte ihr nach. Ein feines Lächeln umspielte seine Mundwinkel. Er nickte einmal kurz: Ja, sie würde ihren Weg gehen. Für ihn war es nun auch an der Zeit. Er durfte hier nicht entdeckt werden, im fremden Reich, denn er würde als Feind sofort hingerichtet werden. Mit einem Ruck warf er den schwarzen Umhang ab. Für einen kurzen Moment wurde ein syrtischer Jäger sichtbar, doch schon begann er mit der Umgebung zu verschmelzen und sich aufzulösen. Einen Augenblick später war nichts mehr von ihm zu sehen; die Gassen von Montsognier waren dunkel und leer.
Link zum Thema
Weiber, Milch, abfüllen; er dann mit SEINER Milch... - das ist schon gewagt, jedoch ein natürlicher Vorgang. Dieser wird glaube ich bereits in der sechsten Klasse ausführlich besprochen. Schlecht wird mir davon jedenfalls nicht. Ich wage aber mal die These, dass Cocadia gar keine Frau ist. Die Userin unter mir widerspricht dem energisch.

Gästebuch von Simplex

Profil (die Links funktionieren nicht)

Über mich

**About me** This user has not entered any personal information yet. * Go to the top of the page Go to the top of the page **Posts (20)** * **Stories aus Regnum** Thursday, October 24th 2013, 10:37pm * **Leben in Regnum** Tuesday, October 22nd 2013, 3:31pm * **Stories aus Regnum** Tuesday, October 30th 2012, 6:24pm * **Stories aus Regnum** Monday, October 22nd 2012, 1:12am * **Stories aus Regnum** Monday, October 8th 2012, 7:23pm * Go to the top of the page Go to the top of the page * Show all posts * Show all threads **Friends (2)** * Engel aus der Asche * Sangri * Go to the top of the page Go to the top of the page * Show all friends **Contact** * Download vCard Simplex **General information** * **Date of registration** Wednesday, August 1st 2012, 8:14pm * **Profile hits** 754 (0.38 Hits per day) * **Posts** 20 (0.01 Posts per day) **Contact** * Download vCard Simplex **General information** * **Date of registration** Wednesday, August 1st 2012, 8:14pm * **Profile hits** 754 (0.38 Hits per day) * **Posts** 20 (0.01 Posts per day)